5 Trainingsgeräte, die du unbedingt nutzen solltest Teil 1

Wie in beinahe jedem körperlichen Training gibt es natürlich auch im Karate diverse Trainingsgeräte, die bestimmte Fähigkeiten wesentlich verbessern können. Um das volle Potential der Karatetechniken und auch dein eigenes körperliches Potential ganz ausschöpfen zu können, ist die Einbindung von verschiedenen Trainingsgeräten unumgänglich. Fünf Geräte, die ich für sehr wichtig im Karatetraining erachte, möchte ich dir in kommenden Artikeln vorstellen. Heute ist das erste und geläufigste dran:

 

 

 

Der Boxsack

 

 

 

Der Boxsack ist der Klassiker unter den Trainingsgeräten aller schlagenden und tretenden Kampfkünste oder Kampfsportarten. Kaum eine kommt zur Ausbildung der Schlaghärte ohne ihn aus. Ich bezeichne ihn bewusst als Boxsack; die andere geläufige Bezeichnung „Sandsack“ ist erstens falsch und zweitens irreführend, da ein „echter“ Sandsack entweder als Gerät für Krafttraining zum Einsatz kommt, oder als Hilfsmittel zur Hochwassereindämmung.

 

 

 

Beschaffenheit

 

 

 

Ein Boxsack sollte bestimmte Merkmale in seiner Beschaffenheit aufweisen, um fürs Karatetraining tatsächlich von Nutzen zu sein.

 

Er sollte eine glatte Oberfläche besitzen, um beim Training ohne Schuhe und Handschuhe keine Verletzungen durch Nähte oder ein raues Material zu verursachen. Am besten geeignet sind hierfür Leder oder Kunstleder, wobei echtes Leder Vorteile in Stabilität und Haltbarkeit hat.

 

Das Innenleben besteht meistens aus gepressten Stoffresten, die ich auch bei eigener Befüllung empfehlen würde. Sie sind am besten geeignet, da sie bei entsprechender Kompression leicht dämpfend wirken und dennoch ausreichenden Widerstand bieten. Sand als Füllung wäre erstens sehr schwer, und zweitens würde er sich nach gewisser Zeit so verdichten, dass man wie auf Stein schlagen würde.

 

Die benötigte Größe und das Gewicht hängen sehr vom genauen Einsatzzweck ab. Soll er hauptsächlich für schnelle Kombinationen oder als „Sparringsersatz“ genutzt werden, reicht vielleicht ein 100 cm großer Sack. Sollen aber auch Schlagkraft wie auch Tritte trainiert werden, ist ein großer, schwerer Sack notwendig, der mehr Widerstand bietet. Hierfür eignen sich Größen zwischen 150 und 180 cm, mit einem Gewicht zwischen 40 und 70 kg.

 

Gerade für solche schwereren Säcke ist natürlich die Aufhängung extrem wichtig. Die Decke sollte unbedingt auf eine entsprechende Traglast geprüft werden, eine stabile Aufhängung wird gewöhnlich mitgeliefert. Diese erfolgt entweder über Ketten an einem stabilen Karabinerhaken, im Idealfall gibt es dazu eine drehbare Aufhängung, vielleicht sogar mit Kugellager. Solche sind auch separat in verschiedenen Onlineshops erhältlich, ich halte sie für sehr nützlich, da ein Verdrehen der Ketten so verhindert wird.

 

 

 

Verwendung

 

 

 

Ein Boxsack ist in seiner Verwendbarkeit eine Mischung aus Schlagpolster und Handpratzen, die ich dir in den kommenden Artikeln noch vorstellen werde. Er ist ein Universalgerät, weshalb er Mindestausstattung für ein Training effektiver Techniken sein sollte. Er ist insbesondere auch geeignet, wenn gerade kein Trainingspartner zur Verfügung steht. Aufgrund des Widerstands gerade bei schwereren Modellen ist er sowohl als Ziel für starke Techniken als auch für das Training von schnellen Bewegungen und Kombinationen mit hoher Schlagkraft ideal.

 

Da er ein bewegliches Ziel mit veränderbarem Abstand darstellt, kannst du an einem Boxsack wunderbar deine Schlaghärte nicht nur aus einem stabilen Stand, sondern auch aus der Bewegung heraus verbessern. Gerade im Hinblick auf einen freien Kampf ist dies besonders wichtig, da ein Gegner bekanntlich selten stehen bleibt, um auf deine Technik zu warten.

 

 

 

Du kannst an einem Boxsack aufgrund seiner Form beinahe alle Schlag- und Tritttechniken üben, die das Karate beinhaltet.  Einzige Ausnahme sind vielleicht starke Techniken mit den Fingern, wobei auch dies bei entsprechendem Trainingszustand möglich ist. Du kannst gerade Techniken mit Fäusten und Füßen mit voller Kraft einzeln üben und versuchen, den Sack soweit wie möglich mit dem Schlag zu bewegen; du solltest ihn natürlich nicht schieben, sondern durch den Impuls bewegen. Dabei ist dann vor allem auf die richtige Ausführung der Technik zu achten, um Verletzungen zu vermeiden und den größtmöglichen Impuls mit maximaler Wirkung zu erzielen.

 

Du kannst ebenso kreisförmige Bewegungen wie Techniken mit dem Handrücken, der Handinnen- oder -außenkante durchführen. Aufgrund des Widerstands ist er besonders auch für Halbkreistritte oder Ellbogenschläge geeignet, immer mit Augenmerk auf Technik und Krafteinsatz.

 

Dies alles geht natürlich auch in beliebiger Kombination, dabei wird die Abfolge sinnvoller Techniken wichtig, die auf den Abstand zum Ziel und auch dessen Bewegungsrichtung angepasst sind.

 

Da der Boxsack natürlich nach einer Technik auch zurückschwingt, kannst du besonders bei Kombinationen Ausweichbewegungen mit einbauen, um einer kampfähnlichen Bewegungsweise nahe zu kommen; immer nach dem Motto, „treffen ohne getroffen zu werden“.

 

Daraus folgt automatisch ein weiterer Trainingszweck, weshalb er auch in Fitnessstudios in verschiedenen Varianten so beliebt ist. Gerade durch das Üben von längeren Kombinationen ist er ein erstklassiges Fitnessgerät. Durch den Einsatz von Hand- und Fußtechniken, Ausweichbewegungen und hohem Kraftaufwand ist richtiges Boxsacktraining sehr anstrengend.

 

Es fördert aber, im Gegensatz zu Hanteltraining oder klassischem Ausdauertraining wie Laufen, eine spezifische Kraft- und Herzkreislaufausdauer. Diese ist direkt im Kampf umsetzbar, da die Art und Weise des Krafteinsatzes und der Bewegung die gleichen sind.

 

 

 

Du siehst also, für eine volle Ausbildung deiner Fähigkeiten und eine Steigerung der Effektivität deiner Techniken ist ein regelmäßiges Training sowohl mit Partner als auch mit entsprechendem Equipment unbedingt nötig. Du wirst die Wirksamkeit eines solchen Trainings schon nach relativ geringer Zeit spüren, da sich hierdurch auch deine Techniken und deine Bewegung an sich auch in Kata und Kihon wesentlich verbessern.

 

 

 

Viel Spaß beim Üben!

 

 

 

Denis

 

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